E5 Alpenüberquerung: Etappen, Hütten und ehrliche Planung
Oberstdorf bis Meran in 6 Etappen: Wie du den klassischen Alpen-Fernwanderweg ohne Veranstalter planst – Hütten, Höhenmeter und Logistik.

Die Tour in Zahlen
- Länge: ~120 km (Oberstdorf → Meran, klassische Route)
- Höhenmeter: ~6500 hm bergauf, ~7500 hm bergab
- Etappen: 6 (Veranstalter-Standard), 5 für schnelle Geher, 7–8 entspannt
- Gehzeit pro Tag: 5–9 Stunden
- Schwierigkeit: T2 bis T3 (eine Stelle T3+ am Pitztaler Jöchl, optional Seilbahn)
- Saison: Mitte Juni bis Ende September
Klassische Etappen
- Oberstdorf → Kemptner Hütte (ca. 1500 hm, 6 h) – sanfter Einstieg durchs Sperrbachtobel.
- Kemptner Hütte → Memminger Hütte (1300 hm, 8 h) – die längste Etappe, über das Mädelejoch nach Holzgau und weiter über das Seescharte.
- Memminger Hütte → Zams (700 hm, 6 h) – Talabstieg ins Inntal mit Seilbahn-Option ab Zams.
- Zams → Braunschweiger Hütte (1500 hm, 7 h) – über Wenns und Mittelberg ins Pitztal.
- Braunschweiger Hütte → Vent / Martin-Busch-Hütte (1200 hm, 8 h) – über das Pitztaler Jöchl (höchster Punkt 2998 m). Hier oft Schnee bis weit in den Juli; bei Schlechtwetter Seilbahn von Mittelberg.
- Martin-Busch-Hütte → Meran (Tag 6 nach Vernagt, Tag 7 nach Meran) – über das Niederjoch nach Vernagt am Stausee, dann mit Bus oder zu Fuß weiter nach Meran.
Welche Variante?
- Oberstdorfer Standardroute (oben beschrieben) – am besten dokumentiert, viele Hütten, gute Hütten-Abstände.
- Reschen-Variante – über das Etztal direkt zum Reschenpass, kürzer, weniger spektakulär.
- Bergsteiger-Variante (Ötzi-Trek) – mit Übernachtung am Similaun und der berühmten Fundstelle.
Planung Schritt für Schritt
- Termin festlegen: erste Augusthälfte = volle Hütten + bestes Wetter, zweite Septemberhälfte = kühl + leer.
- Hütten reservieren – im April. Tipp: telefonisch reservieren, dann erst zahlen, wenn die Hütte zusagt.
- Anreise: Zug nach Oberstdorf, ab Meran zurück über Innsbruck.
- Gepäcktransport ist auf dem E5 untypisch – das geht nur in Tälern (Zams, Vent). Du trägst alles.
- DAV-Mitgliedschaft abschließen, falls noch nicht vorhanden.
Schlüsselstellen
Pitztaler Jöchl ist die einzige T3-Stelle: ein steiles Geröllfeld, im Juli oft mit Schneefeldern. Bei Nässe rutschig. Wer sich unwohl fühlt, fährt mit der Mittelbergbahn zur Bergstation und umgeht den Aufstieg – die Tour zählt trotzdem.
Übergang ins Schnalstal über Niederjoch oder Hochjoch ist landschaftlich der Höhepunkt, aber bei schlechtem Wetter unangenehm – die Hochfläche ist ungeschützt.
Hütten-Reservierungen
In der Hauptsaison sind die Schlüsselhütten Kemptner Hütte, Memminger Hütte und Braunschweiger Hütte ab Februar gut belegt. Wichtig:
- Reservierung schriftlich bestätigen lassen.
- Vor 18 Uhr ankommen oder vorher anrufen, sonst kann der Platz vergeben werden.
- Halbpension immer mitbuchen – die Küche plant entsprechend.
Sicherheit
- Gewitter: ab 13 Uhr kritisch, Pitztaler Jöchl möglichst vormittags absolvieren.
- Wetter-App:
Bergfexundmeteobluefür Punktprognosen. - Notruf: 112 in EU, alpenweite Bergrettungsnummer 140 (A), 144 (CH).
- Rückzug: jeder Tagesplan muss eine Abbruch-Option haben (Bus, Seilbahn, Talweg).
Ehrliche Einschätzung
Der E5 ist weniger romantisch als seine Reportagen vermuten lassen. In der Hauptsaison sind die Hütten voll, die Wege auf den Klassiker-Etappen stark frequentiert, und das Schnalstal-Finale ist ein heißer Talabstieg. Wer Einsamkeit will, geht ihn im September oder wählt eine Alternative wie den Mainalper Höhenweg oder die Tour du Mont Blanc.
Wer dagegen eine gut planbare, technisch moderate Alpenüberquerung mit voller Hüttenkultur sucht, bekommt mit dem E5 genau das.
Häufige Fragen
Geschrieben von
Redaktion OutdoorFokus
Das OutdoorFokus-Team testet und recherchiert Outdoor-Ausrüstung mit jahrelanger Tour-Erfahrung in Alpen, Skandinavien und Mittelgebirge.
Veröffentlicht am 4. Juni 2026. Zuletzt aktualisiert am 4. Juni 2026.