Allemannsretten in Norwegen: Was du beim Wildcampen wirklich darfst
Allemansrätt auf Norwegisch: Wie weit du von Hütten zelten musst, was 'utmark' ist und welche Sonderregeln in Nationalparks gelten.

Was ist Allemannsretten?
Allemannsretten ist Norwegens Variante des skandinavischen Jedermannsrechts. Es ist im Friluftsloven von 1957 gesetzlich verankert und erlaubt grundsätzlich freies Wandern, Zelten und Sammeln auf "utmark" – also unbebautem, unbewirtschaftetem Land.
Wichtig: Allemannsretten ist kein Freifahrtschein. Es koppelt das Recht an eine konkrete Pflicht zur Rücksicht – auf Natur, Tiere, Landwirte und andere Wanderer.
Utmark vs. Innmark
- Innmark ("Innenland"): Höfe, Gärten, Felder, Wiesen während der Wachstumsphase, junger Wald in Bewirtschaftung. Hier gilt Allemannsretten nicht. Du brauchst die Erlaubnis des Eigentümers.
- Utmark ("Außenland"): alles andere – Wälder, Berge, Heide, Felsen, größere Wasserflächen. Hier darfst du wandern, zelten und sammeln.
In der Praxis ist 95% des Geländes außerhalb der Siedlungsbänder utmark.
Die wichtigsten Regeln für Wanderer
Zelten:
- Maximal 2 Nächte am gleichen Platz ohne Genehmigung.
- Mindestens 150 Meter Abstand zur nächsten bewohnten Hütte oder Wohnung.
- In Schutzgebieten und Nationalparks gelten Sonderregeln (siehe unten).
Feuer:
- 15. April bis 15. September: generelles offenes Feuer im oder in der Nähe von Wald verboten, auch außerhalb dieser Zeit nur mit großer Vorsicht.
- Gaskocher ist ganzjährig erlaubt, solange du Funkenflug ausschließt.
- Bei aktueller Waldbrandwarnung gilt absolutes Feuerverbot, auch für Gaskocher in trockener Bodenvegetation.
Sammeln:
- Beeren, Pilze und essbare Wildkräuter: erlaubt, ohne Mengenbegrenzung.
- Moltebeeren in den drei Nordprovinzen Nordland, Troms und Finnmark: nur frischer Verzehr vor Ort, kein Wegtragen ohne Erlaubnis des Grundbesitzers.
Sonderregeln in Nationalparks
Norwegen hat 47 Nationalparks. Allemannsretten gilt grundsätzlich weiter, aber jeder Park hat eigene Verordnungen. Typische Einschränkungen:
- Jotunheimen: Zelten erlaubt, aber Drohnen, Hunde frei laufen lassen und Feuer auf Boden verboten.
- Hardangervidda: Renweide-Schongebiete im Frühling und während des Kalbens.
- Trolltunga-Schutzgebiet: Zelten in unmittelbarer Nähe des Felsens reglementiert; ab ca. 1 km vor Trolltunga in der Hauptsaison ausgewiesene Plätze.
Vor jeder Tour: Schild am Parkplatz lesen oder miljodirektoratet.no checken.
Was du nicht darfst
- Mit dem Auto, Quad oder E-Bike querfeldein fahren.
- Bäume fällen oder beschneiden.
- Hunde frei laufen lassen vom 1. April bis 20. August (Leinenpflicht in fast allen Provinzen).
- Müll liegen lassen – Toilettenpapier auch nicht. "Pack it in, pack it out" gilt strenger als in Deutschland.
- Drohnen in Nationalparks und nahe Vogelfelsen (Lofoten, Runde) fliegen.
Allemannsretten vs. Jedermannsrecht: die wichtigsten Unterschiede
Verglichen mit Schweden ist Norwegen leicht restriktiver:
- Strikteres Feuerverbot in der Sommersaison.
- Klare 150-Meter-Regel zu Hütten (in Schweden weniger formell).
- Stärkere Reglementierung in Nationalparks.
Im Tagesgeschäft heißt das: Bewege dich rücksichtsvoll, halt dich an Hinweisschilder, und du kommst mit Allemannsretten genauso weit wie mit dem schwedischen Pendant.
Quellen
- Friluftsloven (Outdoor Recreation Act)
- Norsk Miljødirektoratet, Allemannsretten – grunnreglene
- DNT, "Slik bruker du allemannsretten"
Häufige Fragen
Geschrieben von
Redaktion OutdoorFokus
Das OutdoorFokus-Team testet und recherchiert Outdoor-Ausrüstung mit jahrelanger Tour-Erfahrung in Alpen, Skandinavien und Mittelgebirge.
Veröffentlicht am 4. Juni 2026. Zuletzt aktualisiert am 4. Juni 2026.